Wo ist der Beweis?

Eine Trainingsmethode braucht ein Fundament. Ein wissenschaftlich nachweisbares Fundament. Ich habe hier im Blog schon öfter darüber geschrieben. Stattdessen sind aber sowohl im Training selbst als auch in der Trainerausbildung immer wieder gefühlte Wahrheiten wichtiger als wissenschaftliche Beweise. Natürlich gibt es auch Bereiche, die bislang nicht erforscht sind, und es spricht nichts dagegen, das ein oder andere einmal auszupobieren. Am Ende steht aber immer die Frage: Wo ist der Beweis?

Unmoralisch und absurd werde es, wenn die Wissenschaft einer Methode deren Unsinn nachgewiesen habe, diese aber weiterhin angewandt werde, stellen Stuart Armstrong und Dr. Richard Bailey in einem hochspannenden Podcast fest. Als Beispiele nennen sie das Neuro-Lingusitsische Programmieren (NLP) und das Zerlegen komplexer Bewegungsabläufe in kleine Schritte, die anschließend zusammengefügt werden sollen (methodische Übungsreihe, hier das so genannte Prinzip der Aufgliederung in funktionelle Teileinheiten). Beides nachgewiesener kompletter Unsinn.

Bailey nimmt deshalb auch die Trainerausbildung in den meisten Sportarten und Ländern aufs Korn. Um in einem Sport voran zu kommen, sei man häufig gezwungen, Geld dafür zu bezahlen, dass man von den Ausbildern belogen werde, sagt der in Berlin für den International Council of Sport Science and Physical Education (ICSSPE) arbeitende Bailey. Und immer wieder kommen wir an denselben Punkt: Wir Trainer sind dazu verpflichtet, wirklich alle allgemein gültigen Weißheiten und jede neue Methode zu hinterfragen. Es kommt auf den wissenschaftlichen Nachweis an.

Der Podcast bietet in 45 Minuten die Erklärung der gesamten Zusammenhänge an und Bailey lädt uns am Ende persönlich dazu ein, ihn nach allen Nachweisen zu fragen, die uns in diesem Zusammenhang einfallen. Unbedingt anhören!

Listen to „Why the world of coach education is „full of bulls**t“ – Richard Bailey“ on Spreaker.

Spannend fand ich auch den Hinweis darauf, Techniktraining generell zu hinterfragen. Im Prinzip, so die Meinung der beiden Wissenschaftler, böten Trainer im Techniktraining Lösungen für Probleme an, die in der Regel zu diesem Zeitpunkt niemand habe. Sie plädieren stattdessen dafür, zunächst das Spiel zu spielen und wenn sich dabei Probleme auftäten, an Lösungen zu arbeiten. Das Bild des einen Hammer anbietenden Trainers, der die Leute nun auffordert einzuschlagende Nägel dafür zu finden, ist ein treffendes.

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