Wie Trainer die Schultern ihrer (Jugend-)Spieler kaputt machen

John Kessel, den ich an dieser Stelle schon öfter zitierte (z.B. hier und hier) twitterte unlängst einen Link zu einer Untersuchung der University of Florida. Gegenstand waren die Fragen, wie man Kinder zum Sport bekommen und auch dort halten könne. Die Untersuchung bietet reichlich Stoff für die eigene Arbeit im Kinder- und Jugendbereich und jeder kann sie hier nachlesen. Ich möchte zunächst nur einen Punkt herausgreifen (vielleicht gibt es demnächst weitere Artikel zur Untersuchung). Unter der Überschrift Verletzungs-Prophylaxe schreiben die Autoren, dass Verletzungen u.a. durch falsche Techniken verursacht werden können. Dies ist ein Punkt, den ich im Technikteil der Trainerausbildung oder bei Fortbildungen hier in Schleswig-Holstein immer wieder betone. Denn vor allem im komplexen Angriff wird vor allem die Schulter der jungen Athleten viel zu oft unsachgemäß belastet.Und das kommt so: Das Verhältnis zwischen Absprung- und Angriffsort passt nicht. Und das in allen nur erdenklichen Varianten. Zu dicht im Ball und es scheppert jedes Mal in der Schulter, wenn die Vorwärtsbewegung viel zu früh durch das Auftreffen der Hand auf den Ball gestoppt wird. Zu weit weg vom Ball und der ganze Körper muss, damit die Hand den Ball noch erreichen kann, über die gerade Ausrichtung der Schulterachse hinaus gedreht werden. Die Folge: Der Ball muss aus der Schulter heraus und das auch noch in einem furchtbaren Winkel, der sie zusätzlich belastet, geschlagen werden.

Absprungort zu weit links vom Ball (Rechtshänder) und der Arm kann nicht in der Verlängerung der Schulterachse geführt werden, trifft also weiter rechts auf den Ball und belastet die Schulter wiederum sehr stark. Zu weit rechts vom Ball (Rechtshänder) und der ganze Körper muss sich nach links biegen, um den Ball noch zu erreichen. Wieder ist die Schulter stark belastet, womöglich landen die jungen Sportler auch noch regelmäßig mit gekrümmter Wirbelsäule und einbeinig.

Oft schleicht sich zu allem Überfluss auch noch eine Kombination aus den oben genannten falschen Absprungorten ein. Oder es kommt ein fehlendes Aufdrehen in der Hüfte beim Absprung hinzu. Auch bei dieser Schlagtechnik wird die Schulter enormen Belastungen ausgesetzt.

Ein Trainer hat gleich doppelten Grund, die Techniken sauber zu vermitteln und auf ihre Ausführung zu achten. Die Gesundheit ist sicher der wichtigste, aber auch der Erfolg stellt sich ja nur bei einer sauberen Technikausführung ein.

Der Angriffsschlag ist die komplexeste Technik im Volleyball und lässt sich in Worten nur schwer beschrieben. Ich „verstecke“ mich deshalb hinter Bundestrainer Vital Heynen:

„Eckpunkte Technik / Angriff:

Schlüsselpunkte: gute Angreifer kommen schnell von Absprung zum Schlag, jeder Spieler hat nur einen bevorzugten Schlag (off shoulder hit, cross body hit), Spieler müssen gerade schlagen.

Ausführung:
Beinarbeit: 2 Schritte (passen zeitlich besser zum Zuspiel): auf linken Bein stehen, rechts – links, Orientierung zum Ball
Füße hinter dem Ball (nach dem Landen muss es möglich sein weiter zu laufen)
Armarbeit: Arme nur leicht vor beim Fuß auf links (sonst Ausholbewegung zu spät)
Armführung mit Ellbogen nach hinten oben in EINER Bewegung
Ausholbewegung muss zeitig und schnell erfolgen
maximal 45° Drehung währen des Schlages
Schlagen mit fast gestrecktem Arm“

 

 

 

 

One thought on “Wie Trainer die Schultern ihrer (Jugend-)Spieler kaputt machen

  1. Dieser Beitrag ist wichtig und sinnvoll. Auch ich lehre seit langem, den Zweischritt Auftakt zum Angriffschlag, ua. wegen einer leichteren, besseren Koordination mit dem Zuspieler. Aber bitte beachten: Linkshänder stehen immer mit dem „rechten Fuß“ vorne.

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