Vereine vs. Professionalisierung – Teil 2 mit einem internationalen Überblick

Wie bekommen wir professionellere Strukturen im Volleyball? Zumindest in den Volleyballkreisen, in denen ich mich derzeit bewege, ist das ein wichtiges Thema. Ich habe vermutet, dass sich Deutschland auch deshalb schwer damit tut, weil am Ende des Tages gemeinnützige Vereine ihren Kopf für das Abenteuer Profitum hinhalten müssen. Denn nur Vereine können eine Lizenz für den deutschen Spielbetrieb bekommen.

John Forman und Mark Lebedew haben mir nach dem ersten Beitrag zum Thema dabei geholfen, einen europäischen Vergleich herzustellen:

Schweden: Nach Auskunft von Ismo Peltoarvo sind alle Teams in der ersten Liga gemeinnützige Vereine und werden auf ehrenamtlicher Basis geführt. Dies ist aber eher ein Spiegelbild des Standes der Professionalisierung in Schweden als eine Voraussetzung. Auch gewinnorientierte Organisationen könnten eine Spiellizenz erhalten.

Großbritannien: Alex Porter berichtet, dass in GB derzeit nur ein Klub profitabel arbeitet: Polonia. Das Team ist wohl mit einem polnischen Verein verbunden und nimmt in der kommenden Saison am CEV Cup teil. Es gibt für die oberste Liga in GB Anforderungen an die Spielhalle und die Trainerausbildung aber keinerlei Vorgaben zur Organisation der teilnehmenden Vereine.

Polen: Mark Lebedew schreibt, dass hinter seinem Team Jastrzebski Wegiel der Verein Jastrzebie Borynia als Lizenzinhaber steht. Er vermutet ähnliche Regeln wie in Deutschland, ist sich aber nicht sicher, ob nicht auch an gewinnorientierte Organisationen Lizenzen vergeben werden könnten.

Frankreich: Professioneller Sport (nicht nur Volleyball) ist komplett durch die lokalen Behörden geregelt und organisiert. Die Vereine sind nahezu komplett abhängig von öffentlichen Fördergeldern.

Italien: Hier wird der Hauptsponsor auch Präsident. Er leitet den Verein und schießt sein eigenes Geld in ein sehr professionell geführtes Volleyball-Unternehmen. Ich konnte nicht genau herausfinden, ob die hinter dem Team stehenden Vereine haften oder nicht, aber die Regelung scheint sich von der deutschen doch deutlich zu unterscheiden. Eine gemeinnützige Organisationsform ist anscheinend nicht erforderlich.

Aserbaidschan: Mark formuliert es so: „Sie können dort definitiv machen, was sie wollen.“ 😀

Habt ihr weitere Beispiel oder könnt die hier genannten ergänzen? Dann kommentiert am besten hier unter dem Beitrag.

Auffällig aber nicht überraschend ist, dass ein freierer oder gewinnorientierter Zugang zu Spiellizenzen nicht zwangsläufig mit einem hohen Grad an Professionalisierung oder sportlichem Erfolg verbunden ist – und umgekehrt. Dennoch liegt der Gedanke nahe, dass die Abkehr von der zwingenden Verbindung zwischen Lizenz und Gemeinnützigkeit eher professionell Interessierte anzieht und ihnen die Arbeit erleichtert; und umgekehrt die Hinwendung zu professionellen Strukturen und Risiken von einem gemeinnützig orientierten Verein viel verlangt ist. Die für Deutschland gefundene Lösung einer Auslagerung der Organisation des professionellen Spielbetriebs in GmbHs nimmt den Vereinen zwar einen Teil der zu tragenden Last entlässt sie aber wie gesagt nicht aus der Gesamtverantwortung.

Niemand kann erwarten, dass eine Neuorganisation der Lizenzvergabe eine sofortige und zwingende Professionalisierung nach sich zöge, die im unteren und mittleren Leistungsbereich ja auch gar nicht erforderlich ist. Aber für den Spitzenbereich sollte dieses Thema alsbald auf den Tisch kommen.

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