Überliefertes „Wissen“ hinterfragen

Es gibt einen Unterschied zwischen gut und gut gemeint – hat mir mal mein Chef beim Radio gesagt. Mir fiel die Situation gerade wieder ein und ich musste dabei an Volleyball denken. Wenn jemand etwas gut meint, dann ist das ja eine einseitige Sache. Er meint es gut, für die Anderen ist es aber gar nicht gut. Und zwar nicht, weil die es nicht gut finden, sondern weil es faktisch nicht gut ist.

Dieser Unterschied ist wichtig. Nicht alles, was ein Trainer richtig macht, kommt bei allen immer gut an. Allerdings sind wir als Trainer dazu verpflichtet, genau zu wissen, was wir jeweils tun. Wenn wir das nicht verstehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass es nicht das Richtige ist. Aber es bleibt wohl gut gemeint. Denn welcher Trainer meint es schon schlecht mit seinen Athleten? Wer es aber nur gut meint, tut seinem Team eben nichts Gutes, sondern verwirrt und stiftet Unruhe.

Ein Hinweis auf gut gemeinte Ideen im Training ist übrigens, wenn der Trainer die Frage seiner Spieler nach dem Warum nicht beantworten kann oder sagt: „Das haben wir schon immer so gemacht“…

 

2 thoughts on “Überliefertes „Wissen“ hinterfragen

  1. Es ist für uns als Trainer hilfreich, wenn wir denken, dass wir wissen, was wir tun. Dann können wir i.d.R. auch die Frage nach dem „Warum wir etwas tun“ beantworten. Ob das, was wir tun, aber immer auch den Effekt hat, den wir erwarten, also „gut“ ist, ist nicht verlässlich. Wir behelfen uns mit einer Konstruktion, die wir an unserem Welt- und Menschenbild und an unseren individuellen Erfahrungen festmachen. Die von uns betreuten Sportler_innen sind jedoch in ihrer Einzigartigkeit und im Kontext ihres Bezugssystems immer anders.

    In der systemischen Beratung und im Tennistraining habe ich die Erfahrung gemacht, dass Interventionen des Trainers auch genau den gegenteiligen Effekt haben können. Unabhängig davon, ob der Trainer die Maßnahme bestens begründen kann. Besonders deutlich wird das im Tennistraining bei der methodisch-traditionalistischen Vorstellung von der „richtigen Schlagtechnik“. Wenn der Trainer eine konkrete Vorstellung von der „richtigen“ Schlagtechnik hat und dazu auch die entsprechenden methodisch-didaktischen Ideen, dann ist das aus der Sicht des Trainers „gut“. Es hat sich aber in Untersuchungen zum Tennistraining gezeigt, dass eine festgelegte Technikvorstellung die motorische und sportartspezifische Entwicklung verlangsamen, wenn nicht behindern kann.

    Es scheint eben so zu sein, dass „paradoxe“ Interventionen und Trainingsmaßnahmen, die sich erstmal nur aus ihrer Wider-Sinnigkeit erklären lassen, die Entwicklung des Sportlers beschleunigen können. Wenn ich zum Beispiel den Tennisspieler im Training „zum Tanz“ auffordere und dies in Schlagsituationen einbaue, dann erscheint das erst mal paradox. Ob es gut ist oder nicht, ist für mich nicht direkt ersichtlich (außer wenn ich es für erforderlich halte, das Ergebnis in meine „Wirklichkeitskonstruktion“ einzubauen).

    Woran kann ich dann erkennen, ob die Maßnahme „gut“ war? Am sportlichen Erfolg?

  2. Das hängt doch davon ab, welches Ziel das Team (inkl. Trainer) hat. Wenn das Ziel sportlicher Erfolg ist, dann kann es ein Zwischenziel sein, bestimmte Situationen besser zu lösen. Das muss nicht unbedingt zum Punkt/direkten sportlichen Erfolg führen. Und am Ende soll dann der messbare sportliche Erfolg stehen. Schön, wenn der Trainer dafür „alle Zeit der Welt“ hat.

    Das Problem beim sportlichen Erfolg ist aus meiner Sicht, dass die Gefahr besteht, nur direkte messbare Erfolge zu bewerten. Viele Entwicklungsschritte sind aber nicht messbar. Oder doch? Es bleibt eine Menge Subjektivität in dem Thema.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.