Motor Learning – Volleyball-Erkenntnisse aus den USA

Der neue Trainer des SCC Mark Lebedew hat vor ein paar Tagen in seinem Blog At Home On The Court ein flammendes Plädoyer für Motor Learning gehalten. Jenes Erlernens von Bewegungsabläufen, die in ähnlicher Form immer wiederkehren. Jeder Bewegungsablauf ist in verschiedene Einzelbewegungen unterteilt. Der Gesamterfolg hängt davon ab, wie weich und effizient diese Einzelbewegungen ausgeführt werden und zusammenpassen. Diese in den USA gesammelten Erkenntnisse haben weitreichende Auswirkungen auf das Volleyballtraining, sagt Mark und wundert sich, dass noch nicht jeder Trainer davon gehört hat. Für diesen Autor war das Thema allerdings auch neu.

Motor Learning ist nun nicht in wenigen Worten zu erklären, aber ein wesentlicher Bestandteil der Überlegungen ist, dass ein Training mit verschiedenen Aufgaben (und kompletten Bewegungsabläufen) in einer Übung, dem bloßen Wiederholen von einzelnen Bewegungen oder gar Bewegungsausschnitten vorzuziehen ist. Denn spätestens im Wettkampf gleicht keine Situation einer anderen. Je häufiger wir also schon in einem kompletten Bewegungsablauf Techniken ausgeführt haben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir unser Wissen (auch das des Körpers) erfolgreich auf eine ähnliche Situation transferieren können. Was für einen Transfer von Trainingsarbeit in den Wettkampf zählt, ist die im Kontext gemachte Erfahrung.

Zweite wesentliche Aussage: Neue Techniken erlernen wir am besten durch die komplette Ausführung der Aufgabe (also zum Beispiel des gesamten Angriffs inklusive anfliegenden Balls, Anlaufs, Sprungs etc.) Am besten folgen noch eine spielnahe Situation davor (Annahme, Dankeball, Feldabwehr) und danach (z. Bsp. Block).

In einer Arbeit von Steven Bain von der University of Washington wird die Bedeutung des Motor Learning für den Volleyball-Sport detailliert und präzise erläutert. Das Nachlesen lohnt.

Zurück zu der flammenden Rede von Mark Lebedew. Der Coach fragt sich darin, warum die Prinzipien des Motor Learning, obwohl bekannt und vor allem in den USA sehr erfolgreich angewendet, nicht allgemein anerkannt seien. Selbst im Mutterland des Motor Learning, den USA, gebe es in offiziellen Trainingsbeilagen weiterhin Coaches, die das Gegenteil fürs Training fordern. Was Mark nicht sagt: Auch die offizielle Lehrmeinung in Deutschland weicht auffallend von den erfolgreich umgesetzten Prinzipien des Motor Learning ab. Unsere Trainer (ich eingeschlossen) bekommen noch immer eingehämmert, Techniken in ihre Einzelbewegungen zu zerlegen und zu trainieren oder Spieler „an die Wand“ zu stellen. Für das aktuelle Training durchaus hilfreich, bringen solche Methoden für den Wettkampf so gut wie nichts, sagen die Motor-Learning-Anhänger.

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