Motivation durch Belohnung und Bestrafung: Funktioniert das?

John Forman startete auf seinem Blog Coaching Volleyball eine Diskussion über Belohnung und Bestrafung. Er diskutiert unter anderem den zu benutzenden Terminus und empfiehlt eher den Einsatz des Begriffs Konsequenzen oder Motivation. John betont, dass er vor allem bei ins Feld fallenden Bällen Konsequenzen in Form von zum Beispiel Liegestützen einsetze. Ich hatte während des A-Lehrgangs eine ähnliche Diskussion mit Jimmy Czimek und einigen anderen Trainern über genau dasselbe Beispiel. Die Begründung war ungefähr diese: Wenn sich jemand nicht hinwirft, dann muss er dazu durch eine drohende Strafe motiviert werden. Für mich wirft dieses Vorgehen zwei Fragen auf: 1. Was bewirkt die drohende Strafe tatsächlich? 2. Hilft eine solche „Motivation“ nachweislich?

 

Zunächst einmal bin ich sicher, dass die drohenden Liegestütz dafür sorgen, dass die Spieler sich künftig hinwerfen. Das bestätigten auch die Trainer in der Diskussionsrunde. Ist das aber tatsächlich die Aktion, die ich als Trainer wollte? Hinwerfen? Will ich nicht vielmehr, dass die Spieler ein Interesse und eine Bereitschaft für das Thema Feldabwehr entwickeln, künftig beobachten, reagieren und zielgerichtet handeln? Neurobiologe Prof. Gerald Hüther nennt das den Unterschied zwischen der Veränderung eines Verhaltens und der Haltung. Wenn sich die Spieler im Training wegen einer drohenden Strafe hinwerfen, habe ich ihr Verhalten geändert. Ich habe eine Verhaltensänderung erzwungen. Klar ist, dass bei ausbleibender Strafe (zum Beispiel im Wettkampf) dieses Verhalten ganz schnell wieder geändert wird. Es hat keine „innere“ Basis, der Transfer in den Wettkampf ist gering. Ziel muss es also sein, die Haltung der Spieler zu verändern, intrinsische Motivation zu aktivieren und befördern.

Was uns zur zweiten oben aufgeworfenen Frage bringt. Motivieren uns Strafen (und Belohnungen)? In einem so komplexen Zusammenhang wie der Feldabwehr eindeutig nicht. Eines der am besten untermauerten Erkenntnisse der Sozialwissenschaften sagt, dass für komplexe Aufgaben Belohnung oder Bestrafung im besten Fall keine Auswirkungen, oft genug aber leistungsschwächende haben. Belohnungen und Bestrafungen wirken bei einfachen, linearen Aufgaben wie zum Beispiel einer Arbeit am Fließband (oder eben dem Hinwerfen, wenn der Ball kommt). Sehr kurzweilig erklärt das Dan Pink in diesen TED talk.

Was wir brauchen ist also ein Zugang über die intrinsische Motivation unserer Sportler, wenn wir komplexe Handlungen trainieren. Belohnung oder Bestrafung helfen nachweislich nicht dabei.

2 thoughts on “Motivation durch Belohnung und Bestrafung: Funktioniert das?

  1. Strafen als „pädagogisches Instrument“ zur Verbesserung der Motivation im Sport? Seltsam, welche Menschenbilder sich über Jahrhunderte halten. Dieses ist aus der Reihe: „Der Mensch muß zu seinem Glück gezwungen werden!“.
    Hier tauchen Elemente aus vermeintlich längst überwundener „schwarzer Pädagogik“ auf, in der „Erziehung“ und der Umgang mit jungen und (?) erwachsenen Menschen mit Gewalt verbunden war, um die vermeintlich anzustrebenden Erziehungsziele (hier die Motivation zum „hinwerfen“, was für ein passendes Wort) zu erreichen.
    Als hauptberuflicher Tennistrainer erlebe ich leider, dass diese Methoden bei vielen Kollegen noch angewendet werden. Das kann daran liegen, dass ihnen die pädagogische Grundbildung fehlt (der Pädagoge/Trainer als Begleitender, Berater und Unterstützer, interkulturell als „Sprachwissenschaftler“ zwischen verschiedenen (Alters-)Kulturen) oder daran, dass sportlicher Erfolg im laienhaften öffentlichen Diskurs häufig mit „sich quälen“, Zwang und Drill verbunden wird. Bestraft werden dann im Training i.d.R. die „Schwächeren“. Im Profibereich gilt der „Schleifer“ unter den Trainern immer noch als die Lösung bei fehlender sportlicher Leistung.
    Aber Oliver hat es in seinem Beitrag ja schon wunderbar begründet. In dem besonderen Vertrauensverhältnis Trainer-Spieler haben Strafen nichts verloren und bringen tuts eh nix.

  2. Schönes Thema Oliver!
    Eine hohe Intrisische Motivation ist das Ziel. Keine Frage. Es gibt Spieler, die es nicht ertragen können, einen Ball nicht zu retten. Wir Trainer lieben solche Spieler.
    Doch ein nicht zu verachtener Teil der Spieler haben hier und da ein völlig menschliches Schweinehundproblem, d.h. sie müssen sich in dem Fall überwinden. Deshalb sind m.E. beide Wege – Förderung der intrisischen Motivation und auch die Erinnerung an die Wichtigkeit einzelner Situationen durch negative Kosenquenzen – wichtig.

    Mike Herbert in „Thinking Volleyball“ schreibt frei übersetzt sehr schön: „Strafen im Training sind die kleine Erinnerung, das Gewinnen einfach ein bisschen geiler ist als verlieren.“

    Ich mag das Worte Strafen in dem Zusammenhang nicht und suche noch nach einem knackigem deutschen Begriff. Wenn ich im Spiel einen Fehler mache, oder einen Ball nicht erreiche, dann folgen negative Konsequenzen – der Spielzugverlust.

    Im Training muss ich da zwei Situationen unterscheiden:

    Übungen ohne Zählweise:
    Hierbei können „Strafen“ bei nicht gewünschten Aktionen aus denen im Wettkampf Punktverluste einhergehen durchaus die negative Konsequenz darstellen, die zur Spielnähe beiträgt.

    Wettkampfformen:
    Der Spielzugverlust bei nicht gewünschten Aktionen ist hier gegeben. So gibt es hier keine zusätzliche negativen Kosequenzen innerhalb der Wettkampfform. Aber es wird immer um einen Einsatz gespielt, aus den Gründen, die Mike Herbert so treffend darlegt.

    Generell glaube ich daran:
    Ein Spieler, der im Training gewohnt ist, etwas negatives zu erfahren, wenn er den Schweinehund nicht überwindet, wird im Spiel besser agieren, als jemand, der es nicht gewohnt ist.

    Und zu Thema Liegestützen:
    Vor Jahren habe ich von Bernd Schlesinger als eine Disziplinerinnerung die einfache Rolle vorwärts und/oder rückwärts auf dem Hallenboden übernommen. Sehr schnell durchgeführt, unangenehm und ermüdet nicht zusätzlich.

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