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Mehr eigener Nachwuchs für die Bundesliga

Wenn es darum geht, den eigenen Sport-Nachwuchs zu fördern, dann sind die Amis einfach spitze. Gut, das College-System kommt den jungen Sportlern dabei zu Gute, aber das kann ihnen ja niemand zum Vorwurf machen. Ich habe gestern einen Artikel auf ESPN.go.com gelesen, in dem ein Reporter die hohen personellen und finanziellen Aufwendungen des Football-Teams der University of Georgia, also den berühmten Bulldogs von Coach Mark Richt, vorstellt. Er hat die am Rekrutierungsprozess Beteiligten interviewt und gibt einen klasse Einblick in die Gedanken und Bemühungen der Uni.

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Der Reporter legt dar, dass die Bulldogs mit ihren rund 600.000 Dollar pro Jahr für das Rekrutieren noch eher zu den Schotten unter den bekannteren Unis zählen. Bislang sei das Beobachten und Anwerben meist Aufgabe eines der Co-Trainer gewesen. Inzwischen muss dafür schon ein eigenes Expertenteam her. Dazu zählen auch sportfremde Professoren (wie der für Touristik), die den besten High-School-Footballern bei ihrem Besuch in Athens die ganze Schule vorstellen. Man wirbt in den USA mit viel Herz, Leidenschaft und vor allem Engagement um die besten Nachwuchssportler.

Gleiches gilt übrigens auch für die Rekrutierungsbemühungen der Volleyball-Teams an den Colleges. Sicher nicht mit so viel Geld aber doch sehr viel zeitlichem Aufwand werden die besten Nachwuchs-Athleten von Coaches oder Scouts beobachtet und dann fürs eigene Team angeworben. Der Sportbereich ist für sehr viele Unis in den USA das Aushängeschild. Vor allem die Football- und Basketbalteams ziehen nicht nur Sportler sondern eben auch Fans an, die dann gleich an der entsprechenden Uni studieren wollen.

Ich wünschte, unsere Bundesligateams hätten ein ähnliches System und würden stärker als bislang in der eigenen Region nach dem Nachwuchs suchen. Klar müssen auch Stars aus dem Ausland sein, aber ein paar mehr Jugendliche aus den eigenen Reihen täten unserem Sport sicherlich gut. In den vergangenen Jahren hat sich da einiges getan, aber wie schon so oft bemängelt, werden die jungen Sportler, die es in das Jugendteam eines Bundesligavereins geschafft haben, dann nur sehr zögerlich in der ersten Mannschaft eingesetzt.

In den USA ist das sicher ein wenig einfacher, da die Rekruten irgendwann spielen müssen. In ihrem ersten Jahr sitzen viele einfach nur auf der Bank und lernen. Je weiter sie in ihrem vierjährigen Studium vorankommen, desto häufiger spielen sie – je nach tatsächlicher Leistung natürlich. Aber sie werden so intensiv gefördert, weil sie die Zukunft des Teams sind. Ohne die erfahreneren Spieler geht es nicht. Im Unterschied dazu entwickeln wir in Deutschland aus meiner Sicht viel zu wenig die Spieler, sondern kaufen (wenn möglich) Erfolg hinzu.

Ich räume ein, dass der Vergleich zwischen dem College-System der USA und einer Profiliga nicht ganz fair ist. Aber warum führen wir nicht auch eine Junioren-Liga der Profiteams ein, in der der eigene Nachwuchs an die Aufgaben im Bundesligateam heran geführt wird? Und von da aus könnte es dann wie in den USA auch in die Profiteams gehen. Vielleicht sogar mit einem Draft wie in den USA?

2 thoughts on “Mehr eigener Nachwuchs für die Bundesliga

  1. Hallo,

    Ich finde deinen Ansatz interessant. Aber aus meiner Sicht krankt das Nachwuchssystem auch an anderen Problemen, als an denen an der Leistungsspitze. Ich weiß nicht, wie weit du in den Vereinen drinsteckst, aber ganz oft fehlt schlicht der Unterbau. Ich habe das bereits in zwei Landesverbänden erlebt und bin gespannt, wie es im dritten aussieht, den ich ab Oktober sehen werde.

    Vielel Grüße, Eddy

  2. Hallo Eddy,

    ich stimme dir voll zu. Die Nachwuchsarbeit selbst krankt in den meisten Fällen. Das fängt schon im mittleren Leistungsbereich an, wo es hier in Schleswig-Holstein eine Jugendförderpflicht gibt. Wer ein Erwachsenenteam in der Verbandsliga oder Regionalliga hat, muss so und so viele Jugendteams haben. Die Vereine versuchen jedes Jahr wieder, diese Förderpflicht abzuschaffen, da sie sich die Spieler aus anderen Teams zusammen holen.

    Aber es gibt auch gute Beispiele. Einige Bundesligisten fördern den Nachwuchs geradezu vorbildlich, wie ich finde. Nur landen aus meiner Sicht zu wenige Spieler dann auch in den jeweiligen Kadern.

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