Macher gesucht

Die Deutsche Volleyball-Liga heißt jetzt Volleyball Bundesliga. Die Namensänderung selbst ist kaum der Rede wert, der Rest der Veränderungen aber schon. Auf Basis des von allen Bundesligisten verabschiedeten Masterplans wird die Liga professionalisiert. Mehr TV-Zeiten, mehr Sponsoren, mehr Zuschauer sind das Ziel. Die Liga marschiert voran und versucht die Vereine dazu zu motivieren ihr nachzufolgen. Hoffentlich tun es die Verantwortlichen dort auch. Denn eine „Revolution“ von oben wird kaum funktionieren. Der Schwung, den die Liga aufnimmt, muss von den Vereinen und Landesverbänden aufgenommen werden. Wenn da nur nicht so viele Bedenkenträger säßen.

Bu08JJHCcAAKgy0

Neues Logo der Volleyball Bundesliga

 

Wir leben in einer Zeit der Verantwortungslosen. Nicht in dem Sinne, den wir früher mit diesem Begriff verbanden. Es geht nicht um verantwortungslos Handelnde. Es geht um Menschen, die gar nicht mehr handeln. In Vereinen, Verbänden, der Familie wird Verantwortung abgegeben. Das scheint ja auch zunächst der einfachere Weg. Niemand wirft einem Fehler vor. Im Gegenteil, man kann wunderbar die „Anderen“ kritisieren. Verantwortung ist in der Gesellschaft nicht mehr attraktiv. Wir treffen überall auf Leute, die sich durch Nichtstun oder freundlicher formuliert Abwarten vor der Verantwortung drücken. Funktionäre, Trainer und weil sie es überall so vorgemacht bekommen auch unsere Spieler auf dem Feld. Verantwortung gibt man besser ab.

Die Verantwortungslosen lassen sich dabei auch nicht von positiven Beispielen erfolgreich handelnder Menschen in ihrer Ruhe stören. Das Modell sei so nicht übertragbar, heißt es dann in der Regel abwiegelnd. Oder zu Spielern, die Verantwortung übernehmen: „Toll, dass wir ihn haben.“ Ich bin gespannt, wie die Volleyball Bundesliga ihre Vereine mitziehen kann. Aber eins ist klar, die Vereine außerhalb der Bundesligen und die Landesverbände müssen von „unten“ eine eigene Dynamik entwickeln und nach „oben“ weiter geben. Denn der Schwung von „oben“ wird ohne eigenes Zutun nicht bei ihnen ankommen.

Ich bin kein guter Kenner der Situation in den einzelnen Bundesligavereinen, erinnere mich aber an die verzweifelten Appelle der erfolgreichen Teams bei Frauen und Männern an die anderen Vereine, endlich etwas zu wagen, größer zu denken. Und ich kenne den steinigen Weg in Schleswig-Holstein. Zu einem ersten Arbeitstreffen zum Thema Entwicklung des Jugendvolleyballs schickten vier Vereine Vertreter. Zu einem für September geplanten Workshop des SHVV sind zwei weitere hinzugekommen. Es gibt an der Basis ein wenn überhaupt nur rudimentär entwickeltes Interesse an einem Blick aufs Ganze. Wer den Sport weiter entwickeln, mehr Kinder für Volleyball begeistern will, der ist meist auf sich allein gestellt. Vor zehn, zwanzig Jahren gab es noch in vielen Volleyballabteilungen einen Macher, einen, der bereit dazu war, etwas aufzubauen. Nun hat sich dieses System nicht als besonders zukunftsträchtig erwiesen, wie man am „Aussterben“ dieser „Volleyballverrückten“ und dem damit verbundenen Niedergang vieler Volleyballabteilungen sieht. Wer nun aber versucht, in einem  Verein, Verantwortung und Engagement auf mehrere Schultern zu verteilen, der wird meist nicht fündig. Wer dann auch noch groß denken will, muss praktisch scheitern.

Ich hoffe, ich tue niemandem weh, wenn ich sage, dass ich hier oben in Schleswig-Holstein nur einen Verein kenne, dem das nachhaltig gelungen ist: den Kieler TV. Wir brauchen aber an der Basis und in der Bundesliga mehr Macher (im Team), die Spaß daran haben, wenn Andere sich freuen, Kinder mit strahlenden Augen unseren Sport machen, durch Volleyball neue Verbindungen entstehen und der Sport voran kommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.