John Kessel: Wie wir wirklich wettkampfnah trainieren

Vor ein paar Tagen durfte ich mit angehenden C-Trainern zusammen arbeiten. Eines der vorgegebenen Themen war das „wettkampfnahe  Training“. Ich hatte dafür zwei Artikel eines der bekanntesten Trainer in den USA, John Kessel, zusammengefasst und den Coaches einige Fragen gestellt. In der Diskussion und auch anschließend im praktischen Teil in der Halle stieß ich immer wieder auf große Bedenken. Grundsätzlich gab es zwei Meinungen zum Thema:

1. Wettkampfnah bedeutet (nahezu) ausschließlich so zu trainieren, wie wir es im Wettkampf erleben (meine Position). Also keine geworfenen Bälle, immer übers Netz, immer mit Folgehandlung etc.

2. Ja, aber Technik müssen wir mit Hilfe von Übungsreihen in ihre Bestandteile zerlegen, damit sie erlernt werden kann (die Meinung fast aller Teilnehmer zu Beginn der Diskussion).

Wie hier an früherer Stelle nachzulesen ist, beschäftige ich mich mit den Ideen des Motor Learning. Mit zunehmender Begeisterung wende ich auch bei Anfängern diese Erkenntnisse an und stelle fest, dass je mutiger und intensiver ich die Prinzipien des Motor Learning anwende, desto schneller sind die Kinder und Jugendlichen spielfähig. Und meint nicht Spielfähigkeit auch wettkampffähig zu sein? Wie in dem genannten früheren Artikel schon erwähnt, können Athleten, die mit den herkömmlichen 1-mit-1-Übungsreihen lernen zwar super geradeaus pritschen und baggern, scheitern aber im Dreieck oder auf dem Feld, weil sie zwar unter leichten aber eben wettkampffernen Bedingungen gelernt haben, am Transfer. Sie haben schlichtweg einen anderen Sport erlernt.

Überall auf der Welt, stellt John Kessel fest, trainieren Coaches die „falschen“ Sachen. In den beiden angesprochenen Artikeln in seinem Blog „Growing The Game Together“ auf der Seite des U.S.-amerikanischen Volleyballverbands USAV fragt er uns als Trainer, warum wir so trainieren, wie wir es tun. „Volleyball Canyons to Bridge“ und „Twenty Five Questions For Volleyball Teachers And Coaches“ heißen die beiden Texte, die unter dem Link von der Originalseite herunter zu laden sind. Doch Vorsicht! Mit Überraschungen ist zu rechnen.

2 thoughts on “John Kessel: Wie wir wirklich wettkampfnah trainieren

  1. Hallo Oliver,

    deine Posts sind sicher für viele Trainer, die offen für Neues sind, von großem Interesse. Insbesondere die Verweise auf US Literatur und dort tätige Trainer finde ich bemerkenswert.
    Ich selbst arbeite im Volleyball seit Jahren fast ausschiesslich im wettkampfnahen Bereich – selbst bei den Kleinsten.
    Das Thema getrenntes Einschlagen könnte – wenn es Schule macht, das Ritual vor dem Spiel revolutionieren. Allein mir feht der Glaube, dass auch andere Trainer bereit sein werden, konkret soweit zu gehen.
    Halte mich bitte auf dem Laufenden, wie deine Erfahrungen hierbei sind.
    Gruß Leo

  2. Oliver, Thanks for the kind words but most of all thank you for helping mentor and improve the coaches in your nation. We oft say „it all comes down to the little things and there are no little things…“ So each of those reading your blog/learning new insights from you adds up to some important improvements on behalf of the athletes. Keep in touch.

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