Inner Coaching: Performance ist individuelles Potential minus Störungen

Vor einigen Wochen hat mein Facebook-Freund Frercks Hartwig (Mitbegründer der mobilenTennisschule TMS) eine interessante Seite bei FB gegründet: Inner Coaching im Sport. Mir war der Begriff Inner Coaching zu diesem Zeitpunkt völlig neu, obschon ich bald verstand, dass einige Grundsätze und auch Übungsformen, die ich seit Jahren verwende, die Prinzipien des Inner Coaching (oder Inner Game) berücksichtigen. Ich habe Frercks gebeten, für diesen Blog eine Einführung zum Thema zu schreiben. Denn ähnlich wie beim Motor Learning, über das ich hier bereits schrieb, halte ich das Inner Coaching inzwischen für eine wichtige Basis für Trainer aller Sportarten:

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie Gehen gelernt haben? In der Regel brauchten Sie dazu keinen Lehrer/in oder Trainer/in. Sie haben sich an den „Vorbildern“ um Sie herum orientiert. Sie haben es so lange probiert und probiert, bis Sie die ersten eigenständigen Schritte in die Arme Ihrer Mutter oder Ihres Vaters geschafft haben. Sicher, die Unterstützung und Begleitung durch größere Menschen war hilfreich, zum Beispiel, wenn sie Sie an die Hand genommen haben. Auch geeignete Rahmenbedingungen waren wichtig: der Stuhl zum Hochziehen, das Bücherregal als erreichbares Ziel, etc.. Sie haben Gehen gelernt, durch ständiges Ausprobieren und Üben. Jeden Tag, jede Stunde. Nicht durch wöchentliches Training unter Anleitung. Heute geht das alles automatisch. Würden Sie darüber nachdenken, welchen Muskel Sie jetzt einsetzen müssen, in welchem Winkel Sie das Bein nach vorne setzen müssen, sich also Gedanken über die „Technik des Gehens“ machen müssten, dann lägen Sie wahrscheinlich schnell auf der Nase oder würden es irgendwann frustriert aufgeben.

Nicht anders, so der Ansatz beim INNER COACHING (IC) ist es mit dem Erlernen von Bewegungen im Sport. Tennis zum Beispiel ist mit Sicherheit genauso schwierig zu erlernen wie das Gehen. Würden Sie ständig über Ihre Schlagtechnik nachdenken, darüber, wie Sie den Schläger am besten halten sollten, welches Bein denn nun „nach vorne“ sollte, etc., dann kämen Sie wahrscheinlich „keinen Schritt weiter“. Im IC gehen wir davon aus, dass Ihr Körper (vielmehr Ihr Gehirn) in der Regel genau weiß, was zu tun ist, um eine sportliche Bewegungsaufgabe erfolgreich zu lösen. Also geht es nun darum, Drills zu erfinden, die es ermöglichen, störendes Nachdenken (dazu gehören natürlich auch negative Selbsteinschätzungen) auszutricksen. Ein solcher „Trick the mind“ Drill ist zum Beispiel, wenn Sie beim Aufsprung des Balles in Ihrem Feld laut „Hopp“ und beim Schlagen laut „Hit“ rufen. Dadurch konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche und störende Gedanken werden ausgeblendet. Oliver Wagner und ich zählen zu den IC-Übungen zum Beispiel auch die „Rapid Fire-Drills“, bei denen der Sportler, ob Volleyballer oder Tennisspieler so mit der Beinarbeit beschäftigt ist, dass er in der Regel „das Richtige“ tut. Bei den „Rapid Fire-Drills“ geht es darum, möglichst viele Bälle in möglichst kurzer Zeit zu spielen.

Unser Inner Coaching-Ansatz im Tennistraining ist das Ergebnis eines langen Erfahrungsprozesses in Training, Lehre und Beratung. Wir haben ihn aus diesen Erfahrungen und Erlebnissen heraus entwickelt und mit Elementen aus der suggestopädischen Pädagogik und der systemischen Beratung vernetzt. Eine weiterführende Dokumentation zum INNER COACHING finden Sie hier.

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