Folgt dem Masterplan der VBL die Begrenzung der Spielergehälter?

Sportverbände neigen dazu, Erfolg herbei regeln zu wollen. In der VBL sind wir derzeit bei der ersten Stufe des Wir-machen-das-für-euch-Konzepts angelangt. Teams in der 1. und 2. Bundesliga müssen Auflagen erfüllen, die eine höhere Professionalität des Volleyballsports in Deutschland schaffen sollen. Die Rückmeldungen zum Masterplan der VBL sind erwartungsgemäß unterschiedlich. Während die einen (die Top-Teams) über die dadurch (?) erzielten Fortschritte jubeln, klagen die anderen, dass ihnen trotz sportlichen Erfolgs eine Professionalisierung aufgezwungen wurde, die finanziell nicht zu stemmen sei. Aus beiden Blickwinkeln betrachtet durchaus nachvollziehbare Positionen. Am Ende bleibt die Frage, was ohne den Masterplan der VBL passiert wäre. Und: Wie sieht die nächste Reglementierungsstufe aus?

Denn hat ein Verband erst einmal mit der Erreichung eines Zieles durch Regeln begonnen, kann er nur schwerlich von diesem Weg abweichen. Während ich auf die erste Frage nur vermuten kann, dass wir zwar in der ein oder anderen Bundesligahalle mehr noch Linien anderer Sportarten sähen, dafür aber die sportliche Schere bzw. der internationale Erfolg gleich groß wären, sich die Top-Teams also auch ohne Masterplan genau so weiterentwickeln würden, gibt es einige Anhaltspunkte, welche Problematik als nächste angegangen werden wird. Dafür gibt es international genügend Vorbilder.

Hat sich eine Liga (aus welchen Gründen auch immer) erst professionalisiert, stehen die jeweiligen Verbände vor der Situation, dass einige wenige Teams, meist die in finanziell starken Märkten, den anderen sportlich davon ziehen. In der VBL sind das die BR Volleys und der VfB Friedrichshafen. Die United Volleys im Frankfurter Markt haben sicher die Chance, zu dem dominanten Duo aufzuschließen. Hat der entsprechende Verband Reglementierungen zu seiner Methode erklärt, folgt nun die Bestrebung, allen Teams die gleichen Erfolgsaussichten zu erschaffen. In den amerikanischen Profiligen versuchen sie das durch Draft und Gehaltsobergrenzen, im College-Verband NCAA durch die Begrenzung von Coaches, Trainingseinheiten etc. John Forman nannte das in einer Mail eine eher „sozialistische Struktur“.

Mark Lebedew twitterte heute von einem Beispiel aus der australischen AFL. Auch die versucht offensichtlich alle Teams gleich zu machen. Dort führen die jüngsten Eingriffe wohl zu extrem hohem Frust, weil die Konstanz in der sportlichen Arbeit gefährdet wird. Ich kenne im übrigen kein Beispiel, in dem die Regulierungen zum erwünschten Ziel, einer ausgeglichenen Liga, geführt hätten, was auch John für die Volleyballsparte der NCAA bestätigt. Reiche Teams finden eine Lösung, um oben zu bleiben. Ähnlich deutliche Ergebnisse zeigt auch ein Blick auf die Super Bowl-Statistik der NFL seit 2006. Die Seattle Seahawks spielten dreimal im Super Bowl und gewannen ihn zweimal. Ebenfalls dreimal im Finale standen die New England Patriots, Pittsburgh Steelers (jeweils 1 Titel), zweimal die New York Giants (2) und Indianapolis Colts (1). Die Denver Broncos spielten allein in den vergangenen drei Jahren zweimal im Super Bowl und gewannen ihn in diesem Jahr. Dies ist nur ein Beispiel für viele Profiligen, in denen Regeln existieren, die für eine Chancengleichheit sorgen sollen.

Nun gibt es auch genügend Beispiele für Profiligen, in denen es keine so offensichtlichen Ansätze gibt. Die heimische Fußball-Bundesliga ist eines davon. Womit wir wieder in der VBL und bei der Frage wären, ob dem Masterplan zur Professionalisierung schon bald eine Gehälterregulierung und/oder ein Draft folgen werden? Diese Lösungen klingen ganz angelsächsisch, aber die Erfahrung zeigt, dass ein Verband, der sich einer Sache regulierend angenommen hat, eher mehr Regeln schafft als die Sache wieder freizugeben.

Dies sind Gedankenspiele und ich möchte nicht sagen, dass der Masterplan der VBL ein Fehler sei. Es spricht sehr vieles für eine Professionalisierung des Volleyballs in Deutschland. Die Frage ist nur, ob dies mit Zwang (wie sanft auch immer er sei) oder besser durch Begleitung und Überzeugung erreicht werden kann? Es ist mal wieder die Frage nach der extrinsischen oder intrinsischen Motivation.

17 thoughts on “Folgt dem Masterplan der VBL die Begrenzung der Spielergehälter?

  1. Hallo Oliver,
    interessante Gedankenspiele hast du da mal wieder in deinem Artikel. Ich glaube, dass wir keine Gehaltsobergrenzen bekommen und brauchen. Das Beispiel der NBA ist eine etablierte Sportliga mit schier unendlicher Reichweite im Vergleich zu VBL. Ich denke, wir haben hier im deutschen Volleyball noch ganz andere Probleme, die zuerst angegangen werden müssen, bevor wir unsere Gedanken an Gehälter verschwenden. Ich denke da an Fernsehsendezeiten, überhaupt die Mediale Aufmerksamkeit, Förderung der Jugendarbeit und und und.
    Sollten aber wirklich einmal Gedanken über eine Gehaltobergrenze aufkommen, würde ich diese nicht unterstützen. Ich denke, dass dadurch geht der Anreiz für die Vereine verloren, weiterzuwachsen und in einem „fairen“ Wettbewerb zu treten.
    Gruß,
    Steffen

  2. Die erste Problem ist dieses Satz
    „…trotz sportlichen Erfolgs eine Professionalisierung aufgezwungen wurde“
    Das ist genau der falsche Gedenkensweise. Das Geld muß erst in professionellierung gesteckt werden erst DANACH in der Mannschaft. Ohne diese Änderung in denken zu machen ist alles anderes Wurst und nichts wird sich ändern.

  3. Ich glaube, dass du damit recht hast, Mark. Ich sehe es ähnlich. Aber meine Frage ist, ob ich das Gute und Richtige mit Zwang erreichen kann? Ein Verein, der es nicht einsieht, geht einfach nicht in die vorgegebene Richtung. Er macht nur, was verlangt wird, nutzt aber die daraus entstehenden Möglichkeit nicht.

  4. Ohne Zwang erreichen wir genau was wir schon erreicht haben. Also, nichts. Die Leute kapieren das aber nicht. Die wollen was verbessern, aber nicht sich selbst.
    Irgend jemand muß ein neue Vision stellen. Und wenn die Leute das nicht freiwillig machen werden dann ist es ok wenn sie aussteigen.
    Und wenn die Leute das doch nicht wollen, dann ist es völlig ok. Volleyball wird dann bleiben so wie es ist.
    Ich will was mehr.

  5. Dann wäre vielleicht eine Lösung wie in den amerikanischen Profiligen die ehrlichste/beste: kein Auf- und Abstieg mehr sondern feste Teams in der 1. und 2. Bundesliga. Denn wenn du absteigen kannst, sind professionelle Hallen, Management-Teams etc. ein sehr hohes Risiko. Sicher nicht für die BR Volleys oder den VfB Friedrichshafen. Aber was sollen Teams im unteren Tabellendrittel machen, wenn sie wieder runter müssen? Den Gerflor verkaufen? Der Stadt die 4.000-Plätze-Arena zurück geben? Das vielköpfige Management-Team entlassen?

    Wenn Volleyball professioneller werden soll, dann muss daraus ein wirtschaftlich kalkulierbares Geschäft werden. Mit einem drohenden Abstieg bleibt das Risiko extrem hoch. Ich glaube, dass der Masterplan der VBL das richtige Ziel hat, aber am Ende nicht konsequent genug sondern eher halbherzig ist.

  6. Da ist genau die Gedanken in Polen gewesen. Automatisch Auf- und Abstieg gist es nicht mehr. Am wichtigsten ist Management und Wirtschaft Uberprufung. Dann gibt es ein sportlich mindest Niveau, mindestens 5 Siege.
    Diese System ist auch nicht Perfekt. Ohne Abstieg ist die Motivation mehr Geld in die Mannschaft zu investerien manchmal weniger. Einige beschweren sich das in die untere Tabellenhalfte die Gehalte gehen runter.
    Aber alles hat ein Risiko und der Status Quo ist kein moglichkeit.

  7. Zu den Punkt uber amerikanische Ligen. Du hast ein wichtige Sachen uberblickt. In den USA, die Regeln stehen da NICHT fur sportliche Grunde sondern wirtschaftliche. Die Regeln sind da das alle Vereine ein Gewinn machen konnen. Die sportliche Ausgleichsregeln kommen danach. Das ein sportlich ausgeglichene Liga hat besser wirtschaftliche Bedigungen. Die Ligen behandeln auch Verträge (Sponsoring, Ferhsehen, usw) die Liga weit gelten.
    Ich glaube dies ist auch ein Hintergrund des Masterplans. Erstens zu schaffen ein Produkt das überhaupt verkaufbar ist. Was heute nicht der Fall ist.

  8. Ich kannte das polnische Modell nicht. Es erscheint mir aber konsequenter zu sein als der VBL-Masterplan. Vor allem der Teil für die 2. Bundesliga. So ein Modell kann ich auch eher unterstützen. Es ist ja genau so wie du das in den gestrigen Tweets geschrieben hast. Derzeit ist Volleyball fast überall weder Business noch Entertainment. Ein Masterplan oder andere Regeln eines Verbandes/einer Liga müssen also Volleyball im Zuständigkeitsbereich KONSEQUENT auf professionelle Füße stellen. Mir bleibt der Masterplan der VBL zu schwammig und halbherzig. Für die 2. Bundesliga halte ich ihn insgesamt für überflüssig.

    Zu den amerikanischen Ligen: Ich glaube, dass man da differenzieren muss. Salary Cap und die Verteilung von TV-Geldern z.B. sollen den Teams in den kleineren Märkten des mittleren Westens eine realistische (wirtschaftliche) Chance zu geben, oben mitzuspielen. Der Draft ist doch eher eine Regelung, um den sportlichen Wettbewerb „fairer“ zu machen, weil es eben doch noch starke wirtschaftliche Unterschiede gibt. Beides funktioniert aber nur leidlich.

  9. Es ist nur schwammig weil die Leute doch alles haben will. Sie denken das es moglich sei ganz oben in der Offentlichkeit zu sein UND noch familaer in kleine Dorfe. Und sie haben angst das es doch nicht klappt und dann haetten wir wirklich nichts. Deswegen so viel Ausnahmen.

    Bei der Amis steht das wirtschaftlich immer vor. Alles anderes kommt danach.

  10. @Steffen das Anreiz liegt an das Sport. Genau wie immer.
    Genau wie die meisten Mannschaften die jetzt ohne Chance auf Meistershcaft haben. Oder Abstieg. Mindestens hat Volleyball noch Playoffs. Fussball und Handball haben gar nichts. Kiel/Bayern gewinnt die Meisterschaft. 6 spielen um Abstieg. Und die grosse Middlemass spielt um Sport. Sie schaffen es doch die Leute zu interessieren.
    Aber stellt dir vor das Volleyball es schafft das Sportart attraktiv zu machen das alle Mannschaften haben ein Heimevent ungefahr wie Berlin.

  11. Aber das ist doch gerade das Problem. Wenn ich mehr Professionalität will, dann muss ich sie entweder durchsetzen oder die Leute anders dazu motivieren, damit sie es freiwillig tun. Es kann doch auch nicht in deinem Interesse sein, eine Semi-Professionalität einzuführen, weil einige nicht das ganze Paket mitmachen wollen. Die Ausnahmen machen das ganze einfach schwammig. Meinst du wirklich, dass das jetzige Konstrukt besser (im Sinne der Wirtschaftlichkeit der Liga) ist, als die komplette Lösung? Und meinst du, dass die Liga jetzt mit all den Ausnahmen weiter ist, als sie es ohne den Masterplan wäre? Da hast du den besseren Einblick. Ich kann es nicht richtig beurteilen, nur vermuten…

  12. Um mal auf den Titel dieses Artikels zurück zu kommen, wenn der deutsche Volleyball eine Professionalisierung des Sports voran treiben möchte, dann ist nicht die Gehaltsobergrenze das Mittel der Wahl, sondern vielmehr eine Gehaltsuntergrenze. Als Profisport kann man es ja wohl nur bezeichnen, wenn die Sportler auch von ihrem Sport leben können.

  13. Das halte ich für einen berechtigten Einwand. Allerdings ist aus wirtschaftlicher Sicht der Vereine die Gehaltsobergrenze das Mittel der Wahl, um sportlich zu den Top-Teams aufschließen zu können. Es war ja auch mehr die bange Frage, ob nun die nächste Regel kommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.