Die "kleine" Ines Bathen kann ganz oben mitspielen

Ich sehe gerade die Übertragung von Spobox/sportdigital.tv vom DVL-Spiel des USC Münster gegen den SV Sinsheim. Ich kann euch nicht sagen, wie gerne ich Ines Bathen zusehe. Nicht nur, weil sie gut spielt, sondern auch, weil sie so klein ist. Gerade mal 1,71 m – mit der Größe guckt dich normalerweise kein Bundesligacoach auch nur an. Und sie spielt in der Stammsechs. Als Außenangreiferin wohlbemerkt.

Auch Juniorinnen-Bundestrainer Jens Tietböhl hatte zunächst dankend abgelehnt. Erst als er Anfang 2008 mit dem VC Olympia gegen Münster spielte und Ines Bathen sein Team praktisch im Alleingang abschoss, lud er die „Kleine“ zum Lehrgang ein. Inzwischen ist die heute 19-Jährige Junioren-Weltmeisterin.

Die Kleinen hatten es im Volleyball schon immer schwer. Ich erinnere mich an meinen Anfang. Nicht, dass ich je in die Nationalmannschaft gehört hätte, aber es gab einen Mitspieler von mir, der schlichtweg an der Größe (ihm fehlten knapp 5 Zentimeter) gescheitert sind. Nicht, weil er nicht gut genug gewesen wäre. Das hat niemand wissen wollen. Die beste Angreiferin (und Annahmespielerin) in einer der ersten von mir betreuten Mannschaften war die kleinste im Team. Aber sie ist gesprungen wie ein Tier und konnte die Bälle nicht nur hart sondern auch platziert schlagen. Nach nur zwei Jahren konnte sie in der Landesliga (heute Berlinliga) mithalten und die Gegner haben im Aufschlag um sie rum gespielt. 2007 habe ich einige Spiele bei der Deutschen U18-Meisterschaft (weiblich) in Berlin gesehen. Und die für mich auffälligste Spielerin war eine Außenangreiferin vom SC Sorpesee. Die war nicht groß, aber unheimlich sprungstark und dynamisch. Die junge Frau konnte hart und platziert schlagen und hat die mit Abstand meisten Punkte für ihr Team geholt. Sorpesee wurde Fünfter. Und ich bin sicher, diese Spielerin hätte bei den Top-Teams wertvoll helfen können.

Was für lange Grobmotorikerinnen stattdessen im normalen Spielbetrieb in der Stammsechs spielen. Die Größe scheint das einzige Auswahlkriterium zu sein. Das geht schon im Jugendbereich los. Bist du groß, wirst du gefördert. Egal, was Motorik, Intelligenz, Beweglichkeit etc. sagen. Ich bin mir sicher, dass  die meisten guten Jugend-Mannschaften im Berliner Spielbetrieb besser wären, wenn sie ihre kleineren Spieler gleichberechtigt fördern würden. Stattdessen spielen die Langen, weil sie es wegen ihrer Größe in die Landesauswahl geschafft haben. Ich halte dieses Vorgehen sowohl auf Seiten der Vereine/Trainer als auch der Landestrainer für zumidest fragwürdig.

Wieviele von den geförderten Langen schaffen denn tatsächlich den Sprung an die Spitze? Die übergroße Minderheit. Ist nicht die Chance durch Förderung der Besten statt der Ausgrenzung von körperlich „Benachteiligten“ größer, mehr gute Spielerinnen im Bereich knapp unter der Spitze zu etablieren? Und die langen Guten, die für den internationalen und nationalen Top-Bereich in Frage kommen sind ja immer noch dabei. Ich glaube, die Chance mehr Talente zu finden, wenn die Größe nicht der einzige (entscheidende) Aspekt in deren Auswahl ist, ist groß.

Ines Bathen wurde übrigens gerade zur besten Spielerin gewählt. Ich habe fertig.

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