Der (Volleyball-)Verein der Zukunft

Auf der Seite von John Forman hat sich eine interessante Diskussion entwickelt, die aber ein bisschen ins Stocken geraten ist. Gerade da, wo es wie ich finde besonders interessant wurde. Ich will die Diskussion hiermit in die deutschsprachige Volleyball-Gemeinschaft tragen und freue mich über gute Ideen bei den Kommentaren. Das Thema ist „Der ideale Volleyball-Club“. Es scheint so, als sei es auch international so wie bei uns in Deutschland. Es gibt entweder einen „Verrückten“, der auch noch richtig gut als Trainer ist, und von der U12 bis U20 alle Teams selbst trainiert. Dieser Trainer macht den Job weitestgehend ehrenamtlich. Oder die Jugendabteilung gehört zu einem Bundesligaverein und kann sich gut bezahlte Trainer leisten.

Modell Nummer eins bedeutet nach dem Ausscheiden des „Verrückten“ in der Regel den Abstieg der gesamten Volleyballabteilung des Vereins. Modell zwei gibt es in jedem Land vielleicht drei-, viermal. Das festgestellt steht jetzt die Frage im Raum, wie es denn anders laufen könnte. Gibt es tolle Vorbilder, die noch nicht so bekannt sind?

In der Volleyball-Trainer-Ausbildung in Deutschland begegnet einem immer wieder dieser Satz: Die besten Trainer gehören in die Jugendarbeit. Inhaltlich ganz sicher richtig. Praktisch eigentlich nicht umsetzbar. Die meisten Trainer, die ein hohes Niveau erreicht haben, wollen aus ihrer Leidenschaft für Volleyball einen Beruf machen. Doch Geld ist für Profitrainer nur in ganz wenigen Vereinen vorhanden. Mein Eindruck ist, dass aus welchen Gründen auch immer die „Verrückten“ weniger werden. Der super ausgebildete ehrenamtliche Trainer verschwindet. Nebenbei bemerkt verschwindet ja auch der klassische Sportverein. Die bieten jetzt plötzlich „Kurse“ an, die früher Tanzschulen, die VHS oder andere Organisationen übernommen haben. Mit anderen Worten: Die Vereine verändern sich, wollen an vielen Punkten „professioneller“ werden, erwarten aber, dass die Trainer weiter Ehrenämtler bleiben.

Während der Diskussion auf coachingvb.com erzählte John (er ist Amerikaner), dass es in den USA Clubs gebe, die tausende von Dollar pro Saison aufrufen könnten, weil die Qualität der Ausbildung die Chancen auf ein späteres Sportstipendium der Kinder signifikant erhöhe. Ein Verein kann also höhere Beiträge verlangen und damit ein professionelles Team bezahlen, wenn er einen Mehrwert anbieten kann. Was könnte ein solcher Mehrwert in Deutschland sein? Wie kann ein Verein ein professionelles Trainerteam finanzieren? Ich bin gespannt, ob es bei euch Ideen dazu gibt. Bitte unbedingt kommentieren!

Hier noch mal der Link zur Diskussion bei John.

3 thoughts on “Der (Volleyball-)Verein der Zukunft

  1. Interessante Frage! Aber ich sehe keinen Mehrwert, den wir als Volleyballtrainer anbieten können, der einen höheren Beitrag (bspw 100€/Monat) rechtfertigen würde. Natürlich kann man als Volleyballprofi seine Brötchen verdienen, aber selbst die Nationalspieler werden während des Sommers nicht bezahlt. Und wieviele schaffen es so weit? Verglichen mit den Tausenden von College-Stipendien in den USA (übrigens fast ausschließlich für Frauen, bei den Männern gibt es ganze 123 Stipendien) ist die Zahl lächerlich gering. Nein, materielle Gründe scheiden aus.
    Doch auch Ruhm und Ehre gibt es ja im deutschen Volleyball nicht zu erwerben. Wer kennt schon die Namen unserer Nationalspieler? Ohne jegliche Medienpräsenz gibt es auch keine Vorbilder, denen die Kids nacheifern.
    So können wir unseren Spielern letztlich nur innere Werte und Einstellungen vermitteln, die sie zu starken und erfolgreichen Persönlichkeiten formen. Teamgeist, Disziplin, Zielstrebigkeit… Nun braucht man nur noch die Eltern, die dafür 100€ im Monat hinlegen wollen.

  2. Da stellen sich mir einige Fragen, Volker: Wo werden die von dir genannten Werte sonst noch vermittelt? In der Schule? Sicher nicht? In der Familie? Ich glaube eher selten. Benötigt werden sie aber dringend, sonst wächst der Einheitsbrei, zu dem die meisten Gesellschaftssysteme derzeit verschmelzen, weiter an. Kann also ein Volleyballtrainer in zwei Trainingseinheiten pro Woche hier zu einer Umkehr beitragen? Immerhin wurden die gängigen Verhaltensweisen jahrelang eingeübt. Gibt es Eltern, die so etwas für ihre Kinder wollen und warum üben sie das dann nicht zu Hause ein?

    Gibt es also einen Bedarf für so eine Art von Training? Wenn ja, bin ich sicher, dass sich auch Eltern finden, die dafür bezahlen. Einen Mehrwert stellt dein Ansatz in jedem Fall dar. Die Fragen die bleiben: Kann das ein Volleyballtrainer leisten und gibt es überhaupt einen Bedarf?

  3. Hallo Oliver,
    100€ im Monat von Eltern zu verlangen finde ich utopisch und den falschen Weg. Man sollte hier andere Wege finden, so etwas zu finanzieren. Die von dir angesprochenen Kurse sind da eigentlich ein probates Mittel für die Vereine. Da es zum Beispiel im Beachvolleyball nicht überall möglich ist das ganze Jahr zu trainieren, macht dies durchaus Sinn. Auch wenn ein es nicht nur ein reiner Volleyballverein bieten sich in einigen Bereichen, wie Yoga, Fitness usw. Kurse an, um die Abgaben an dem Verband niedrig zu halten. So hat der Verein mehr Geld für die Finanzierung anderer kostspieliger Abteilungen. Ein weiterer Weg wäre eben Sponsoren. Im Volleyball ist dies ja leidiges Thema. Da ohne die Medienreichweite, welche Volker schon ansprach, sich die Sponsoren in der Regel auf aktive /ehemalige Mitglieder beschränken. Wenn man Glück hat sponsort mal ein Elternteil für die Trainingsgruppe des Kindes einen Trikotsatz oder ähnliches. Wo Eltern sicher etwas dazu geben würden sind einmalige Aktion, wie Trainingslager oder besondere Turniere irgendwo in Deutschland. Das hat dann etwas von Ferienlager mit sportlichen Hintergrund. Der Rest muss aber meines Erachtens vom Verein kommen.

    Grüße aus Hürth,
    VolleyballFREAK Steffen

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