Der Mythos von der leistungssteigernden Super-Prämie

Die Welt ist voll von allgemein anerkanntem und nicht mehr hinterfragtem „Wissen“. Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält ist, dass eine hohe Prämie zu höherer Leistung motiviert. Im Sport, in der Wirtschaft, in der Schule. Nach dem Debakel der deutschen Schwimmer echauffierte sich jetzt der Ex-Schwimmer Markus Deibler mit folgender Stammtischparole: „In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20.000 Euro Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150.000 Euro sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.“ Und eine ganze Nation lacht und jubelt. Die großen Medien feiern diese Aussage und verbreiten sie unkommentiert weiter.

Damit liegen die deutschen Medien voll im Trend. Wie schon Mark bei der Erfindung seines Trinkspiels anlässlich gut gemeinter TV-Kommentare bei Volleyballspielen feststellte, ist es um das echte Wissen bei den so genannten Experten schlecht bestellt. Und auch ein Artikel aus dem Juli, den ich in dieser Woche las, bestätigt, dass dies ein international gültiges Problem ist. (Und dass auch ich immer wieder auf solch „allgemein anerkanntes Wissen“ hereinfalle.)

Doch Deibler und mit ihm die deutsche Öffentlichkeit diskutiert das falsche Thema. Hätte er die finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung, also im Training, ins Spiel gebracht, hätte seine Kritik sicher gegriffen. Aber dass eine hohe Prämie zu größerer Leistung anspornt, ist ein Mythos. Und der ist wissenschaftlich schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts widerlegt worden. Die Kurzfassung: Extrinsische Motivation (Belohnung und Bestrafung) funktioniert nur bei einfachen, geradlinigen Aufgaben wie z.B. Fließbandarbeiten. Wird es komplexer, also zum Beispiel im Sport, sind die Auswirkungen extrinsischer Motivation bestenfalls neutral, oft aber sogar negativ. Ausführlich wird das in diesem sehr unterhaltsamen und lehrreichen Video erklärt.

Wissenschaftlich untermauerter Fakt ist: Auch eine Millionenprämie kann die Leistung eines Sportlers nicht steigern. Dies geht nur durch seine eigene (intrinsische) Motivation. Und ganz nebenbei: Hätte die Leistung der deutschen Schwimmer etwas mit der Höhe der Medaillenprämie zu tun, dürfte der Rest der Olympiamannschaft ja auch keine Medaillen holen. Denn die bekommen ja dieselben Prämien…

2 thoughts on “Der Mythos von der leistungssteigernden Super-Prämie

  1. Entschuldige Oliver, aber ich sehe die Aussage von Herrn Deibler in einem anderem Zusammenhang, zumal die meisten Zitate die Aussagen von Deibler auf diesen einen Satz reduzieren. Deibler hat fehlende Förderung in unserem Land und mangelhafte Dopingkontrollen in anderen Ländern verglichen. Klar ist der eine Satz bei vielen hängen geblieben und zitiert sich auch sehr schön.
    Aber bitte den ganzen Zusammenhang sehen und nicht Herrn Deibler für ein unvollständiges Zitat als Stammtisch Redner abstempeln. Er spricht gar nicht über Geld als Motivation, sein Thema wird mit dem Zitat leider gar nicht aufgegriffen und was der Rest damit macht, bzw falsch macht, ist leider Zeichen unserer Medienkultur, die nur kurze Aussagen verarbeiten kann und oft am Thema vorbei diskutiert.

    Ansonsten um beim Thema zu bleiben, stimme ich deiner Meinung über Motivation und Geld als schlechtes Mittel für Motivation zu.

    Link zum originalen Beitrag von Deibler: https://www.facebook.com/deiblermarkus/posts/1259532794078565

  2. Okay. Du hast mich erwischt. Ich habe zuvor tatsächlich nicht seine ganze Aussage gelesen. Nachdem ich das nachgeholt habe, würde ich den Text aber nicht anders schreiben. Er beginnt mit dieser Aussage und wiederholt sie in einem Zitat erneut. Da liegt er nunmal deutlich falsch. Aber danke, dass du mich daran erinnert hast, dass es wichtig ist, zuerst den gesamten Zusammenhang zu kennen, bevor man lospoltert.

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