Bankrott: Was Mark Lebedews Abgang über Trainerausbildung und Denke in den Vereinen sagt

„Auf dem deutschen Markt sehe ich niemanden, der unseren Ansprüchen gerecht wird.“ Sagt Manager Kaweh Niroomand zur Suche nach einem neuen Trainer bei den BR Volleys als Nachfolger von Mark Lebedew. Der Satz sitzt. Jetzt müsste doch auch der letzte Bewahrer dessen, „was wir schon immer so gemacht haben“, aufhorchen und zweifeln. Der DVV ist nicht in der Lage einen Trainer auszubilden, der ein Top-Team in der Bundesliga coachen kann. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Ich formuliere absichtlich provokativ. Schließlich steht der Verband (und mit ihm die Landesverbände) derzeit nur am Ende einer Kette von Fehlorientierungen in der Bildung. Ich habe hier und hier und an vielen anderen Stellen schon darüber geschrieben. In Kurzform: Es darf nicht verwundern, wenn das Land, das als einzige Nicht-Diktatur auf der Welt eine Schul- statt einer Bildungspflicht hat, also jeden Wettbewerb und damit wohl auch positive Entwicklungen in der Bildung ausschließt, nicht in der Lage ist, in einer Randsportart wie Volleyball Trainer hervorzubringen, von denen ein Top-Club meint, dass sie bundesligatauglich seien.

Und die BR Volleys stehen mit ihrer Meinung ja nicht alleine da. Die übergroße Mehrheit der Bundestrainer in der Halle kommt nicht aus Deutschland. Nicht mal der eigene Verband sieht geeignete Kandidaten für seine Top-Positionen.

Bildung, wie sie in Deutschland organisiert ist, führt in der Regel zu sehr eingeengtem Denken und vorsichtigem Handeln. Lernen gilt als unattraktiv – klar, das „Lernen“ das wir aus der Schule kennen, ist ja gar kein wirkliches Lernen. Um das Bild zu verdeutlichen: Können Sie sich einen deutschen Trainer vorstellen, der gerade mit seinem Nationalteam Weltmeister geworden ist, und einen sportartfremden Besucher fragt, wie er das Training fand? Und das mit der Begründung, er könne ja durch das Gespräch etwas lernen? Karch Kiraly, Trainer der U.S.-Frauen, tut genau das. Er versichert sogar ziemlich glaubwürdig, dass er versuche, täglich etwas dazu zu lernen.

Und die Amis trainieren auch bei den Männern nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, nicht nach gut gemeinten Überlieferungen wie wir in Deutschland. Die Amis fragen nach. Auch in anderen Sportarten, auch außerhalb des Sports. Sie sind neugierig und vor allem trauen sie sich, etwas Neues auszutesten und wenn es nicht funktioniert auch wieder wegzulassen. Sie überprüfen wissenschaftlich, was funktioniert und was nicht.

Kann es sein, dass in Deutschland vor allem Trainer gesucht und angeheuert werden, die sehr gut im Managen von angeblich bereits fertig ausgebildeten Spielern sind? Dass Lernen und Entwickeln im Denken von deutschen Vereinen bislang gar keine entscheidende Rolle spielen? Dass wir in der Trainer-Ausbildung gar nicht das Handwerkszeug zum Entwickeln von Spielern vermitteln?

Ein Club zumindest bricht gerade herzerfrischend mutig aus dieser Tradition aus: die SWD powervolleys Düren. Das Team verpflichtete mit Anton Willert einen 27-Jährigen, der noch nicht einmal irgendwo Cheftrainer war. Aber dafür bringt Willert etwas mit, dass die Dürener ganz offensichtlich in ihrer Absicht andere Weg zu gehen bestärkte: Leidenschaft, fundiertes Wissen über die wissenschaftliche Basis unseres Sports und ein erfolgreiches Unternehmen, dass Statistiken in verständliche und hilfreiche Bilder, so genannte Heatmaps, umwandelt. Und vor allem Mut! In seinem jungen Alter unterstützt er zudem die U.S.-amerikanische Männer-Nationalmannschaft als Technischer Koordinator. Ich glaube, die haben nicht auf sein Alter oder seine Vorerfahrung, sondern auf ihn selbst und das, was er mitbringt, geachtet. Und jetzt schwärmt das Trainerteam in höchsten Tönen von ihm.

Zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass es ziemlich sicher auch in Deutschland Trainer gibt, die einer Aufgabe wie der bei den BR Volleys gewachsen wären. Sie fliegen aber unter dem Radar, weil die Mehrheit der Clubs nach dem sucht, wonach sie schon immer gesucht haben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.