Augen zu und durch wird nicht funktionieren

Heute um 19.30 steht bei den Bundesliga-Frauen des SV Sinsheim zum ersten Mal Stefan Bräuer an der Seitenlinie. Er ersetzt Rudi Sonnenbichler, der vor einer Woche als Trainer zurückgetreten war. „Wir freuen uns, dass wir so schnell einen Nachfolger gefunden haben“, wird Sinnsheims Geschäftsführer Peter Flaig auf der Website des Clubs zitiert. Dass Bräuer, ein alter Sinsheimer, so schnell da war, hat einen nicht so überraschenden Hintergrund. Im November war der 45-Jährige vom DVV fristlos gekündigt worden.

Der Vorwurf, laut Volleyball Magazin (Januar-Ausgabe): sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen nach Paragraph 174 des Strafgesetzbuches. Stein des Anstoßes sollen Briefe von Bayerns Verbandschef Klaus Drauschke und der pädagogischen Leiterin des Münsteraner Volleyball-Internats Ruth Funke gewesen sein. Es seien Dinge an sie herangetragen worden, aufgrund derer sie sich im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht gezwungen gesehen hätten, sofort tätig zu werden. Bräuer war zu diesem Zeitpunkt Trainer der weiblichen Jugendnationalmannschaft.

Als Sinsheim nun am Mittwoch seinen neuen Coach vorstellte, fehlte jedweder Hinweis auf die schweren Vorwürfe gegen Bräuer. Natürlich gilt auch hier bis zu einer eventuellen Verurteilung die Unschuldsvermutung und natürlich kann der Verein sich aus den unterschiedlichsten Gründen für gerade diesen Trainer entscheiden. Aber mit keinem Wort auf die doch für alle Beteiligten zumindest knifflige Situation einzugehen, empfinde ich als bestenfalls fahrlässig. So zu tun, als gebe es die schweren Vorwürfe nicht und als könnten alle ganz ruhig arbeiten, ist geradezu kindisch. Frei nach dem Motto: Wenn ich mir die Augen zuhalte, könnt ihr mich nicht sehen.

Was jetzt droht, ist der PR-GAU. Denn der Aufschrei wird kommen.

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