post

And hope you don’t get in the way – Teil 2

Ich bin ein Fan von Sportfilmen. Eigentlich hätte ich heute Morgen Anderes zu tun gehabt, aber ich konnte einfach nicht widerstehen und hab mir „HALLE luja – Der Film“ angesehen. Es ist die Geschichte der Berlin Recycling Volleys im Pokalfinale 2014 gegen den VfB Friedrichshafen. Man kann den Film als Fan sehen, oder aber wie ich es getan habe aus Sicht eines Trainers.

Wir bekommen zwar nicht allzu detaillierte Einblicke in die Welt von Mark Lebedew (weil der Film eben doch für die Fans gemacht ist), aber durch die richtige Brille gesehen springen einige Dinge ins Auge. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die Freiheit, die Mark seinem Team lässt. Es gibt da die Szene in der Kabine, direkt vor dem Pokalfinale. Der Coach hat nur wenige Worte, danach übernimmt das Team. Jeder hat seine Rolle gefunden. Es gibt den ruhigen und besonnenen Kawika Shoji, der die Mannschaft sammelt und fokussiert. Es gibt den Anführer Scott Touzinsky, der voran geschickt wird, die beiden Punktesammler Robert Kromm und Paul Carroll, die aber keine Führungsrolle in der Kabine übernehmen müssen etc.

 

Bildschirmfoto 2014-03-19 um 10.07.01

 

Hier ist ganz offensichtlich ein Team zusammen, das funktioniert, das seinen Weg gefunden hat. Ich betone das deshalb so sehr, da das auch auf dem Top-Niveau nicht selbstverständlich ist. Ich denke, ohne nähere Einblicke zu haben, dass jeder Spieler der BR Volleys seine Rolle im Team selbst finden durfte und dabei sowie auch sportlich zu eigenverantwortlichem Handeln angeregt wurde.

Mir fiel beim Ansehen des Films ein Zitat vom ehemaligen Coach der U.S.-Damen und -Herren Hugh McCutcheon ein: „…and hope you don’t get in the way…“. Ich habe über dieses Prinzip schon einmal an dieser Stelle geschrieben. Diesem Ausspruch gingen folgende Bemerkungen voran:

„… It is about teaching and coaching and if you have a choice you’d rather be a better teacher than coach. If you teach them the right way, they can get out and play just fine on their own and hope you don’t get in the way …“

Dabei steht das „nicht Stören“ oft in krassem Wiederspruch zu den Erwartungen, die Fans, Presse oder Vereinsführung an einen Trainer haben. So gilt zum Beispiel weiterhin ein Coach vor allem dann als gut, wenn er in den Wettkämpfen Auszeiten nimmt und während der Unterbrechung ununterbrochen auf seine Spieler einredet. Ich habe das gerade erst wieder beim 2. Teil des A-Lehrgangs in Bielefeld gehört: „Der Trainer wird dafür bezahlt, dass er etwas tut.“ Das Team zur Ruhe kommen lassen oder Details eigenverantwortlich absprechen lassen, zählt ganz offensichtlich nicht als Arbeit.

Natürlich greift der Coach ein, wenn es wichtige Dinge zu regeln oder neue Erkenntnisse gibt. Aber nur zu reden, um den Eindruck von Aktivität und Expertentum zu vermitteln, ist auf keinen Fall hilfreich fürs Team. Am Ende ist es übrigens weitaus anstrengender und schwieriger, ein Team zu solcher Selbständigkeit zu führen.

Nebenbei gesagt gibt es meines Wissens keine einzige Untersuchung, die beleget, dass Auszeiten (egal wie gestaltet) überhaupt signifikante Auswirkungen auf den Ballwechsel danach hätten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.